Die Wiesbadener Taunusmusikanten treten am 15. November in der Nordenstadter Kirche auf
Nordenstadt: Seit sieben Jahren spielt die Nordenstadter Pfarrerin
Petra Rauter-Milewski
Saxofon bei den Wiesbadener Taunusmusikanten. Am Samstag, 15. November, wird sie zusammen mit ihren Musiker-Kollegen ihr erstes Konzert in der evangelischen Kirche Nordenstadt geben -
um Geld für die Orgelpfeifen zu sammeln.
Von Falk Sinß
"Ich finde das total toll", platzt es förmlich aus Petra Rauter-Milewski heraus. "Ich freue mich riesig darauf, vor meiner Gemeinde aufzutreten", fügt die Pfarrerin der evangelischen Gemeinde
Nordenstadt noch hinzu. Was vielleicht nicht alle Mitglieder ihrer Gemeinde wissen: Die 50-jährige Pfarrerin spielt in ihrer Freizeit Saxofon und musiziert bei den Wiesbadener Taunusmusikanten.
Am Samstag, 15. November, geben diese ihr erstes Konzert in der Nordenstadter Kirche, zugunsten der Orgel. | |
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Dass ihre Pfarrerin Petra Rauter-Milewski (vorne links) einen Hang zu fetziger Musik hat, wissen nicht viele Nordenstadter. Beim Konzert der
Taunusmusikanten wird sie ihr Können unter Beweis stellen. Dirigent ist Karsten Schindler (Mitte). (Foto: RMB/Margielsky) | |
Seit ungefähr sieben Jahren musiziere sie bei den Taunusmusikanten, erzählt
Rauter-Milewski. Eher zufällig sei sie in dem Blasorchester gelandet. "Der Vater eines Konfirmanden, den ich
während meiner Zeit als Pfarrerin in Erbenheim unterrichtet hatte, wusste, dass ich
Saxofon spiele und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, es einmal bei Taunusmusikanten zu probieren.
Also bin ich zu einer Probe mitgegangen und seitdem bin ich mit großer Freude dabei", erzählt sie.
Auch ihre Leidenschaft für das
Saxofon sei mehr durch einen Zufall entfacht worden. "Mein Mann fand es schon immer schön, wenn Frauen
Saxofon spielen. Also schenkte er mir eins.
"Das sei vor ungefähr 15 Jahren gewesen, erinnert sie sich. Kurz darauf habe sie die ersten Übungsstunden genommen. "Und was soll ich sagen: Es macht mir Spaß, dieses Instrument zu spielen.
Das
Saxofon ist ja auch ein total schönes Instrument. Auch wenn ich nicht so gut spiele", sagt sie lachend.
Den letzten Halbsatz will
Karsten Schindler so nicht stehenlassen. "Das stimmt doch nicht. Du spielst doch gut", widerspricht er ihr. Seit 2000 leitet und dirigiert der 27-jährige Student das
Blasorchester. Bei den Taunusmusikanten ist der
Wallauer aber schon länger aktiv. Seit 1994 spielt
Schindler in dem Blasorchester
Trompete und konnte so den schleichenden Niedergang der
Musikgruppe aus nächster Nähe beobachten. "Als ich die musikalische Verantwortung übernahm, lagen die Taunusmusikanten mehr oder weniger am Boden. Zu der Zeit hatten wir nur noch sieben
aktive Mitglieder", erzählt er. Doch seitdem geht es wieder aufwärts. Durch eine ständige Erweiterung des
Repertoires, Beharrlichkeit und vor allem mit viel Spaß für die Sache stieg die Zahl der
Aktiven stetig an. "Mittlerweile habe wir
38 aktive Mitglieder, von denen im Schnitt 34 zu den Proben und Auftritten kommen", sagt Schindler nicht ohne Stolz in der Stimme. Diesen Erfolg will der
künftige Lehrer aber nicht für sich allein verbucht wissen. "Wären in der Gruppe damals die falschen Leute zusammen gewesen, dann hätte ich mich totrödeln können und es hätte dennoch nicht
funktioniert", betont der vielbeschäftigte 27-Jährige. Neben
Trompete spielt er noch Klavier und
Saxofon. Außerdem betreibt er eine Musikschule, schreibt gerade an seiner Abschlussarbeit und ist
zurzeit Chorleiter in Vertretung im Wallauer Gesangverein.
Dazu kommen noch die rund 25 Auftritte der Taunusmusikanten pro Jahr. Zumeist tritt das Orchester mit ihrem
breit gefächerten Programm, das sowohl Rock- und Pop-Klassiker als auch Swing-,
Walzer- und Polkastücke umfasst, auf Kerben und Frühschoppen auf.
"Ich finde den Namen ja nicht so toll", gesteht
Petra Rauter-Milewski. "Der klingt so altbacken, dabei sind wir doch ein junges Orchester und spielen viele moderne Sachen." Schindler gibt ihr in
diesem Punkt zwar recht, sieht aber auch die Vorteile in dem Namen. "Der Name ist sehr allgemein gehalten und hat keine Vorortskennung, was uns auch Freiheiten gibt. Dadurch werden wir
nämlich nicht mit einem bestimmten Vorort in Verbindung gebracht, sondern im kompletten Wiesbadener Raum gebucht."
Viel erwarten darf das Publikum am Samstag, 15. November, wenn die Taunusmusikanten in Nordenstadt auftreten. Das Publikum soll mit einem ganz neuen Programm überrascht werden.
"In der evangelischen Kirche werden wir unser neues Konzertanten-Programm vorstellen", erklärt Schindler. "Unser Schwerpunkt wird auf klanggewaltigen Stücken wie zum Beispiel die Filmmusik
zu ,Braveheart´, ,Wir waren Helden´ oder ,Star Trek´ liegen. Aber wir werden auch klassische Werke wie ,Also sprach Zarathustra´ oder ,Mars´ von Gustav Holst und ,Antonins New World´
von Dvorak vortragen."
Für dieses Programm haben die Taunusmusikanten eineinhalb Jahre lang einmal pro Woche geprobt. "Die Idee zu solch einem Programm schwirrte mir schon länger im Kopf herum", erzählt
Schindler. "Und als mich
Petra im vergangenen Jahr fragte, ob wir mit den Taunusmusikanten nicht einmal für die Nordenstadter Kirchenorgel spielen wollen, war das die Initialzündung
für unser neues Programm." Das alte Repertoire werde man auch in Zukunft noch von den Taunusmusikanten zu hören bekommen, verspricht
Schindler.
Das Konzert, das unter dem Motto "Die Taunusmusikanten mal `kon-zärtlich´" steht, wird zugunsten der historischen Kirchenorgel sein. Der Eintritt ist frei, aber Spenden seien sehr
willkommen, sagt die Nordenstadter Pfarrerin. Denn im kommenden Jahr müssen die 1100 Orgelpfeifen der 1886 von Heinrich Voigt erbauten Orgel gereinigt werden.
"Die Reinigung wird knapp 40 000 Euro kosten", schätzt
Rauter-Milewski. Eine Summe, die die kleine Kirchengemeinde fast komplett alleine aufbringen muss, da der allgegenwärtige
Sparzwang mittlerweile auch die evangelische Kirche erfasst hat. Rund zwei Drittel der Summe seien bisher durch Spenden und Orgelpfeifenpatenschaften zusammen gekommen.
Die Pfarrerin hofft, dass in den nächsten Monaten das noch fehlende Geld aufgetrieben werde, damit die Reinigung wie geplant im Mai 2009 beginnen kann.
Trotz der zahlreichen Proben habe sie vor dem Konzert in Nordenstadt mehr Lampenfieber als sonst, gesteht
Rauter-Milewski. "Das ist ja mein erstes Konzert in unserer Kirche.
"Es sei zwar nicht mehr so schlimm wie bei ihrem ersten Auftritt, "da hatte ich mehr Bammel als vor meiner ersten Predigt", sagt sie lachend.
"Aber das Konzert in Nordenstadt ist schon etwas ganz Besonderes."